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Japanische Literatenmalerei
aus der Sammlung Klaus F. Naumann

Sonderausstellung
5. Juni - 2. September 2001

Einen Schwerpunkt der japanischen Malerei der Sammlung Klaus F. Naumann bildet die Gruppe der idealischen Malerei, genannt bunjinga (Literatenmalerei) oder auch nanga (Malerei der Süd-Schule), die als Neuerung der japanischen Malerei in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkam und bis zum frühen 20. Jahrhundert einflussreich war.

Ausgehend von einem Bedürfnis nach Exotik und neuen künstlerischen Inspirationen begann eine Gruppe von Künstlern in Kyôto sich intensiv mit chinesischen Malereitraktaten, insbesondere mit den theoretischen Schriften des Ming-zeitlichen Malers und Theoretikers Dong Qichang (1555-1636), zu beschäftigen. Dong war berühmt für seine Einteilung der chinesischen Malerei in eine Tradition der Nord- und der Süd-Schule. Dabei ordnete er professionelle, hauptsächlich in den Malakademien tätigen Künstler in die Nord-Schule, während gelehrte Beamten, die die Malerei zum Selbstvergnügen betrieben und darin ein Ausdrucksmedium ihrer Persönlichkeit sahen, in die Süd-Schule zusammengefasst wurden.

In ihren Werken lehnten die gelehrten Amateurmaler eine reine äusserliche Ähnlichkeit mit den dargestellten Objekten ab, vielmehr strebten sie danach, die persönlichen Visionen mittels einer individualistischen Pinselsprache zu verbildlichen. Beliebte Motive waren ideale Landschaften, die den Wunsch nach Naturverbundenheit und paradiesischen Zuständen wiederspiegelten, die Gelehrtenideale der Unbeugsamkeit und Aufrichtigkeit symbolisierende Pflanzenarten wie Bambus, Orchis und Chrysanthemen und historische Figuren oder Begebenheiten, die mit dem Gelehrtentum eng verbunden waren.

Dieses Ideal wurde von den sinophilen japanischen Künstlern übernommen, die sich damit auch von anderen einflussreichen Malschulen, wie die zum Kanon gehörende Kanô-Schule oder die naturalistisch-dekorative Malschule des Maruyama Ôkyo (1733-1795), abgrenzten.

Durch die Abschließungspolitik der Tokugawa-Regierung war der Kontakt mit China jedoch sehr beschränkt, so dass die japanischen Künstler nicht zum Festland reisen konnten, um vor Ort die verehrten Meister zu studieren. Chinesische Originale wurden auch nur in geringen Mengen nach Japan gebracht, die den einheimischen Künstlern als Modell dienen konnten. Das Studium der alten chinesischen Malstile wurde ermöglicht durch die Vermittlung der gelehrten und kunstinteressierten Mönche der Obaku-Zen-Schule oder durch chinesische Maler wie Yi Fujiu (tätig 1. Hälfte 18. Jh.) und Shen Nanpin (tätig 1. Hälfte 18. Jh.), die für kurze Zeit nach Japan eingeladen wurden und als Vermittler der zeitgenössischen chinesischen Malerei gewirkt hatten. Wichtigstes Referenzmittel waren jedoch chinesische Malkompendien, die als Holzschnitt-bücher importiert wurden. Als "Bibel" für die japanischen Literatenmaler waren vor allem die Malereimanualen "Acht Arten der Malerei" (Hasshû gafû) und "Malkompendium aus dem 'Senfkorngarten'" (Kaishien gaden), aus denen die japanischen Künstler ihre Inspirationen bezüglich Komposition und Pinselsprache bezogen.

Zu den Besonderheiten der japanischen Literatenmalerei gehört einerseits der soziale Status der Künstler, die nicht wie ihre chinesischen Vorbilder aus der Beamtenschicht stammten und Amateure waren, sondern meist keine öffentlichen Ämter bekleideten und mit der Malerei ihren Lebensunterhalt bestritten, andererseits orientierten sie sich nicht ausschließlich an chinesischen Meistern der Süd-Schule-Tradition, sondern nahmen auch durchaus professionelle akademische Maler zum Vorbild. Mit anderen Worten, sie entlehnten nicht nur die in der chinesischen Literatenmalerei häufig vorkommenden Motive, sondern vor allem bestimmte Kompositionsmodi und stilistische Mittel wie Strukturstriche und Lavis als neue, exotische Ausdrucksmöglichkeit für die künstlerische Ausführung japanischer Themen. Ursprünglich von den in Kyôto tätigen Künstlern ins Leben gerufen, breitete sich die Literatenmalerei allmählich bis in die östlichen Regionen Japans aus.

Die Ausstellung zeigt Werke von prominenten Malern der Blütezeit der Literatenmalerei wie Ike Taiga (1723-76), Noro Kaiseki (1747-1828), Uragami Shun-kin (1779-1846), Yamamoto Baiitsu (1783-1856), Takaku Aigai (1796-1843) u. a. In dieser Vielfalt und in dieser hohen ästhetischen Qualität wird die japanische Literatenmalerei bis jetzt in Deutschland noch nicht präsentiert. Eine Auswahl von Bildern von Yanagisawa Kien (1706-58), Yosa Buson (1716-83), Watanabe Kazan (1793-1841), Tomioka Tessai (1836-1924) u. a. aus dem Bestand des Museums wird die Ausstellung bereichernd ergänzen.

 

 
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